Manchmal sind Tage wie kleine Kinder, die Aufmerksamkeit wollen. Sie ziehen dir unten an der Hose, schreien dir ins Ohr, treten dir unten auf dem Fuß rum. Früher hat man Kindern zur Beruhigung Opium verabreicht, um seine Ruhe zu haben. Leider weiß ich nicht, wo ich in diesen nervigen Tag das Opium reinschütten soll. Aber, zumindest nach dem Energieerhaltungssatz, müsste es ja auch anders herum funktionieren. Auch mit Vodka. Und ganz im Ernst, es scheint zu funktionieren. Wir haben jetzt 13.45 Uhr, an einem sonnigen Montag im September. Da die letzte warme Luft des Sommers bedrohlich nah an die Fensterscheibe kam, habe ich die Fenster verriegelt. (Man muss aufpassen, dass die frische Luft den Pflanzen nicht das CO² zum atmen nimmt.) Die zugezogenen Vorhänge verhindern, dass ich heute mehr Menschen sehen muss, als mir lieb ist. Außerdem bin ich so später nicht dem Naturschauspiel des Sonnenuntergangs ausgesetzt, sondern kann in Ruhe im luftleeren Raum in meiner synthetischen Kabine abhängen.
Der Tag war heute morgen noch recht motiviert. Er sagte, ich soll aufräumen, schreiben, ein wenig arbeiten, das Schuhregal im Flur bauen, in den Baumarkt gehen...vielleicht lag da schon der Fehler. Oder der Fehler lag neben mir im Bett. Dann wollte der Fehler aufstehen. Ein noch größerer Fehler war es, dass wir gestern Abend einen Film von Bukowski gesehen haben. Alles in allem sah es von Anfang an nicht gut aus für den Tag, wie ihn sich die kleinbürgerlichen Synapsen zurecht gelegt haben. Ob eine Flasche Vodka aus zwei verschlafen Langzeitstudenten Künstler macht, weiß ich auch noch nicht, aber wir fanden, dass der Versuch es wert ist. Generell ist es jeder Versuch wert, aus dieser kleinen kranken Normalität auszubrechen.
Wie bei jedem Fluchtversuch, muss man auch hier vor etwas weg rennen. In meinem Fall ist das die Rationalität, die mir nahe legt, diesen Tag nicht ganz zum Fenster raus zu werfen. (Nun hat meine Rationalität aber eine ganz eigene Vorstellung vom so genannten Sinn). Im Prinzip ist das wie bei diesem Hase-gegen-Igel-Rennen – Vernunft gegen Vodka. Wenn die Igel sich abwechseln, sind sie ja bekanntlich vor dem Hasen...Diese Hase und Igel – Geschichte fand ich schon als Kind faszinierend, wusste aber nie, wo ich sie im Alltag verwenden könnte. Jetzt habe ich auch dieses Rätsel geknackt: Du musst dein Glas immer wieder voll gießen, trinken, dann bist du vor dem Hasen. Wenn es leer ist, hängst du hinterher, also musst du trinken. Und wer will schon hinterher hängen, in einer Welt voller Geschwindigkeiten. Autobahn-Geschwindigkeit, Job-Geschwindigkeit, Denk-Geschwindigkeit, Fühl-Geschwindigkeit, Lebens-Geschwindigkeit, Trink-Geschwindigkeit.
Jeder hat seine kleine Geschwindigkeit. Und wir hängen hier rum mit unserem Vodka. Ihr dürft euch dass jetzt nicht zu romantisch vorstellen – wir haben auch nicht sonderlich viel Bock drauf. Es ist auch übrigens viel zu warm hier drinnen. Aber es muss nun mal gemacht werden. Wir opfern uns, wir stoßen dem Tag eine neue Tür auf, an der er sonst vielleicht vorbei gerannt wäre. Und wenn wir mehr finden als Pfandflaschen und Altpapier, sagen wir euch auf jeden Fall Bescheid. (e)
Der Tag war heute morgen noch recht motiviert. Er sagte, ich soll aufräumen, schreiben, ein wenig arbeiten, das Schuhregal im Flur bauen, in den Baumarkt gehen...vielleicht lag da schon der Fehler. Oder der Fehler lag neben mir im Bett. Dann wollte der Fehler aufstehen. Ein noch größerer Fehler war es, dass wir gestern Abend einen Film von Bukowski gesehen haben. Alles in allem sah es von Anfang an nicht gut aus für den Tag, wie ihn sich die kleinbürgerlichen Synapsen zurecht gelegt haben. Ob eine Flasche Vodka aus zwei verschlafen Langzeitstudenten Künstler macht, weiß ich auch noch nicht, aber wir fanden, dass der Versuch es wert ist. Generell ist es jeder Versuch wert, aus dieser kleinen kranken Normalität auszubrechen.
Wie bei jedem Fluchtversuch, muss man auch hier vor etwas weg rennen. In meinem Fall ist das die Rationalität, die mir nahe legt, diesen Tag nicht ganz zum Fenster raus zu werfen. (Nun hat meine Rationalität aber eine ganz eigene Vorstellung vom so genannten Sinn). Im Prinzip ist das wie bei diesem Hase-gegen-Igel-Rennen – Vernunft gegen Vodka. Wenn die Igel sich abwechseln, sind sie ja bekanntlich vor dem Hasen...Diese Hase und Igel – Geschichte fand ich schon als Kind faszinierend, wusste aber nie, wo ich sie im Alltag verwenden könnte. Jetzt habe ich auch dieses Rätsel geknackt: Du musst dein Glas immer wieder voll gießen, trinken, dann bist du vor dem Hasen. Wenn es leer ist, hängst du hinterher, also musst du trinken. Und wer will schon hinterher hängen, in einer Welt voller Geschwindigkeiten. Autobahn-Geschwindigkeit, Job-Geschwindigkeit, Denk-Geschwindigkeit, Fühl-Geschwindigkeit, Lebens-Geschwindigkeit, Trink-Geschwindigkeit.
Jeder hat seine kleine Geschwindigkeit. Und wir hängen hier rum mit unserem Vodka. Ihr dürft euch dass jetzt nicht zu romantisch vorstellen – wir haben auch nicht sonderlich viel Bock drauf. Es ist auch übrigens viel zu warm hier drinnen. Aber es muss nun mal gemacht werden. Wir opfern uns, wir stoßen dem Tag eine neue Tür auf, an der er sonst vielleicht vorbei gerannt wäre. Und wenn wir mehr finden als Pfandflaschen und Altpapier, sagen wir euch auf jeden Fall Bescheid. (e)
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