Montag, 17. September 2012

ein weites feld


Vodka Frühstück. Im Bett. An einem Montagmorgen.
Bei mir zu Hause gibt’s eine lange Reihe an fünf Linien die auf mich warten. Mit schwarzer Vogelkacke drauf. Lange fünf Linien. Kilometerlang. Ewig lang. Ich weiß nicht was das gibt mit dem Schreiben. Das ist so ne Sache. Mal klappt das und mal klappt das nicht. Manchmal entsteht was schönes, zick-zack förmig, dann wieder in runden Kurven schlängelnd, bunte Farben, ein Dschungel an Gedankenketten. Und dann passiert mir so etwas wie die Geschichte von dem Mann im Keller. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie der Mann in den Keller kam. Ich weiß auch nicht mehr genau, wie ich zu dem Mann in den Keller kam. Wahrscheinlich war ich gar nicht im Keller. Aber dieser Mann war trotzdem in meinem Kopf. Er schien depressiv zu sein. Bevor er im Keller landete, war er schon mindestens zwanzig mal die Straße auf und ab gestolpert. Depressiv, grau wie der Teer unter seinen Füßen selbst. Ich hab keinen Plan mehr, ob er alkoholabhängig war. Aber zumindest schwer depressiv. Und das liegt ja alles nicht weit auseinander. Meistens zumindest. Ich lieg auch gerad. Das Glas steht noch. Neben mir, strahlend orange mit Saft und Vodka. Die Vorhänge sind zugezogen. Ich glaub gestern um diese Zeit liefen wir in Merheim ziemlich souverän unsere Runden. Ach, ich will gar nicht drüber reden. Was ist schon gestern. Würden wir jetzt noch rauchen, würden wir rauchen. Eine nach der anderen. Dann würd der Vodka auch schneller runter gehen. Das ist eine Scheiße mit der gesunden Ernährung. Es ist schwer auf gesunder Ernährung abzustürzen. Ungefähr so schwer wie sich während dem Absturz gesund zu ernähren. Es passt einfach nicht zusammen, da kann man machen was man will. Selbst wenn man nicht gendergetreu schreibt und damit wieder in Zeiten zurück rutscht, in welchen die Gesetze noch nicht so eng gestrickt waren. In denen man noch nicht alle Läden dicht machen musste wegen unerfüllbarer Brandschutzbestimmungen. In denen man noch nicht ganze Seiten über eine korrekte Zitierweise lesen musste bevor man doch nur paraphrasierte.
Zurück zu dem Mann im Keller. Ich möchte da nicht landen. Echt nicht. Wenn ich so etwas schreibe, decken sich in meinem Gehirn gräulich schimmelnde Gedankenstränge auf und buddeln Erinnerungszellen hervor, in denen grausame Kindheitserinnerungen hineingeprügelt wurden und ich denke denke an Regina Regenbogen und möchte nie wieder schreiben. Es gibt Dinge im Leben, die nehmen solch seltsame Farben an, dass man nie wieder assoziativ mit ihnen aneinander geraten möchte. Den Radiergummi gibt’s nur für die Bleistiftkonturen und es hilft einzig allein die Schippe erneut in die Hand zu nehmen. Und los, wieder alles einbuddeln.
Das ist ein weites Feld, hätte Fontane jetzt gelacht. Da ist kein Weg vorgebuddelt. Da hat sich noch nie jemand mit der Schippe drangewagt. Und manchmal hat man eben keinen Bock loszugehen. Weil man nicht weiß, wo man ankommen wird. Nachher muss ich nach der Flasche zwanzig mal die Straße hoch und runter torkeln. Oder ich treff Regina Regenbogen, was weitaus schlimmer wäre. (b)  

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